Warum die Fernbus-Liberalisierung Sinn macht

So, 06/12/2011 - 13:06 -- Heinrich Ströße...

Eine Liberalisierung ohne Protagonisten – etwas Interessanteres gab es in der Verkehrspolitik der letzten Jahre nicht. Der Fernbus-Markt wird vermutlich tatsächlich geboren werden, weil einige wenige aus FDP, Grünen und VCD sich für diese Liberalisierung einsetzten. Die eigentlich profitierenden Verbände VDV und bdo, die die Deutschen Bahn dominiert, sind nicht wirklich dabei. Was spricht also für diese Liberalisierung? Steigende Energiepreise verdoppeln die Nachfrage nach günstiger Fernmobilität: In den letzten Jahren sind die Ölpreise p.a. um 10% gestiegen, mit Auswirkungen auf die Benzinpreise und das Fahrverhalten. Die Pkw-Zulassungszahlen der unter 30 Jährigen haben sich in einem Jahrzehnt halbiert, Wirkungszusammenhänge sind deutlich wahrzunehmen. Mit einem Blick in die Zukunft würde bei diesem Trend im Jahr 2020 die Marke von 3,40 EUR erreicht, weit über den berühmt-berüchtigten 5 DM je Liter Sprit aus den Diskussionen der 90er Jahre. Eine Nachfrageabschätzung dazu für die Allianz pro Schiene ergibt eine Verdopplung der Bahnnachfrage bis 2020 (http://www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilungen/2009/2009-53...). Diese Nachfrage wird die Bahn wegen fehlender Fahrzeug- und Netzkapazitäten nicht bewältigen; selbst das Aufstocken der öffentlichen Mittel löst das Problem bis 2020 nicht. Um also genügend bezahlbare Fernmobilität zu produzieren, kommt die Verkehrspolitik um eine Öffnung des Fernlinienbusmarktes nicht herum. Gleichzeitig hat die Bahn seit dem Jahr 2000 ca. 20 Mio. Fahrten im Fernverkehr bereits verloren – das entspricht mehr als 300 Fernbus-Linien á 4 Abfahrten am Tag. Es wird also genügend Markt für alle da sein. Fernbusse dagegen holen kurzfristig, ökologisch und preiswert die Autofahrer von der Straße – und sind die einzige ernsthafte Chance, die PeakOil-Preise zu bewältigen. Beispielsweise liegt das Preisniveau im derzeitigen Fernlinienbus-Markt bei ca. 7 Euro pro 100 km – diesen Preis zahlt auch der durchschnittliche Fahrgast im Nahverkehr auf der Schiene aus eigener Tasche. Allerdings subventioniert der Steuerzahlen diesen Schienenpersonennahverkehr um weitere 13 Euro pro 100 km. Fernbusse könnten deshalb eine bezahlbare Alternative mit deutlich geringerem Finanzierungsbedarf durch die öffentlichen Haushalte sein. Und gleichzeitig liegt der Fernbus mit unter 1,5 Litern Sprit pro 100 km pro Fahrgast um 50% unter dem Niveau der Bahnen. Die Öffnung dieses Marktes ist deshalb eine richtige verkehrspolitische Entscheidung. Die Lobby der Bahn dagegen kann auch nicht wirklich ernst genommen werden, da sie zur Zeit mit ihren Töchtern Marktführer im Fernlinienbusmarkt ist und Angst um ihre Anteile hat. Darüber hinaus hat sie eine Reihe an Konzessionsanträgen parallel zu ihren ICE-Linien gestellt: Offensichtlich macht das unternehmerisch Sinn. Und ergänzend dazu werden neue Marktanbieter eher in Konkurrenz zu den ICE-Linien einsteigen, weil hier die große Nachfrage auch auf den Autobahnen unterwegs ist. Wir haben die Diskussion mit einer Reihe an Beiträgen begleitet und sind gespannt, was in 2012 ff. passiert. Weiter Informationen unter Sept. 2010: http://archiv.iaa.de/2010/fileadmin/user_upload/2010/deutsch/downloads/f... Dez. 2010: http://www.mofair.de/content/freie-fahrt-fuer-fernbusse_201011.pdf Feb. 2011: http://www.sueddeutsche.de/reise/busreisen-ein-bus-statt-vieler-autos-1.... Aug. 2011: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/a-779051.html Okt. 2011: http://www.nachhaltig-links.de/index.php/bahn/872-spfv-fernbusse-anvortr...

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