40% weniger CO2 nur mit Radverkehr

Mi, 10/20/2010 - 11:54 -- Heinrich Ströße...

Kann man 40% der CO2-Emissionen in Hamburg bis 2020 einsparen? Und welchen Beitrag muss der Verkehr liefern? Das sind die Fragen, bei dem Verkehrs Innovations Partner für die Stadt Hamburg für die Behörde für Stadtentwicklung und Umweltschutz an dem Basisgutachten zum Masterplan Klimaschutz für Hamburg: Möglichkeiten zur Verringerung der CO2-Emissionen im Rahmen einer Verursacherbilanz“ als Unterauftragnehmer des arrhenius-Institut für Energie- und Klimapolitik mitgearbeitet hat.

Ziel ist, konkret aufzuzeigen, wie 40% gegenüber 1990 bis 2020 eingespart werden können. Erste Erfolge, Trends und andere Maßnahmen werden einbezogen, so dass eine Lücke von 1,6 Mio. t CO2 verbleibt. 0,4 Mio. t davon sind durch den Verkehr zu erbringen. Unter Berechnung der Anzahl der Fahrten, der Kilometer-Klassen und der Emissionsfaktoren wird für jede Verkehrsart geschaut, wo der wichtigstes Handlungsbedarf liegt und welche Maßnahmen umgesetzt werden sollten.

Dabei entpuppen sich Pkw-Fahrten über 5 km Länge als wichtigster Ansatzpunkt heraus, z.B. die Einpendler aus den Speckgürteln als die Emissionstreiber – sie fahren viel, fahren lange Strecken und häufig allein im Auto. Und hier müssen die Angebote ansetzen.

Zum Beispiel den ÖPNV- und SPNV ausbauen. Hört sich schlau an, lässt sich aber fast nicht realisieren, da mit Lieferfristen, Infrastrukturausweitungen, Enteignungen, Planungsprozessen und Finanzbedarf gerechnet werden muss. Schon heute sind in den Hauptverkehrszeiten die Kapazitäten häufig ausgeschöpft. Abgesehen davon verbrauchen auch Bus und Bahn Strom oder Diesel, so dass auch hier was passieren muss. Bus und Bahn werden kaum alleine zur Lösung des Problems beitragen können.

Zum Beispiel mehr Mitfahrer pro Pkw: Ist schlau, es gibt auch erste Startups dazu wie www.matchrider.de oder www.flinc.org, die Mitfahrer dynamisch miteinander vermakeln. Die könnten mit PublicPrivatePartnerships gefördert werden, wären dann aber sofort Konkurrenten der mächtigen und defizitären städtischen ÖPNV-Betrieben.

Konkret könnte das folgendes heißen: Um 100.000 t CO2 einzusparen, müsste ..

  • die Fahrleistung von 50.000 Pkw durch Radverkehr ersetzt werden,
  • 550 Mio. Personenkilometer statt mit dem Pkw mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden
  • 900 Mio. Personenkilometer statt mit dem Pkw mit dem ÖPNV erfolgen
  • 1.400 Mio. Personenkilometer weniger mit Bus und Bahn gefahren werden und dafür geradelt oder zu Fuß gegangen werden
  • Der Schlüssel liegt letztlich in der Förderung des Fahrradverkehrs. Dieser funktioniert emissionslos und verschlingt minimale öffentliche Gelder. In der Stadt müssten die heutigen ÖPNV-Nutzer aus ihren Bussen und Bahnen gelockt werden, um den Einpendler Platz zu machen. Dazu bedarf es attraktiver, sicherer und ausreichender Fahrradinfrastrukturen – und genau hier lauert der Konflikt:

    Welcher Politiker traut sich schon, dem Autoverkehr ein paar Quadratmeter Park- und Straßenfläche mit den Folgen von Stau und Parkplatznot zu entziehen, um daraus Fahrradwege zu machen?

    Genau diesen Konflikt greift zum Beispiel die Initiative www.Strassensheriff.de auf, um für mehr freie Rad- und Gehwege zu sorgen. Die wenigen Radwege sollen frei befahrbar sein, der Trend (+ 30% in einem Jahr) zu mehr Falschparken soll eingedämmt werden.
    Was immer auch diskutiert wird, ohne eine deutliche Ausweitung des Radverkehrs und damit der Radinfrastrukturen löst die Probleme nicht, sondern kuriert an den Symptomen.

    Weiter Informationen unter http://www.hamburg.de/bsu/2580042/2010-10-20-bsu-stadt-im-dialog.html, aber auch unter einer aktuelleren Studie des Umweltbundesamtes http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikation...

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